1998

Donaukurier Ingolstadt (July 24, '98, review)
"Gunslingers" überzeugen mit knarzendem Folk-Country-Rock
Auftritt in der "Neuen Welt" hätte aber mehr Zuspruch
verdient gehabt/ "Duo Acustico" ganz gefällig
Ingolstadt (DK) - Seltsam und doch so typisch: Im Vergleich zu
anderen Konzerten im Rahmen der "Ingolstädter Musikszene
'98" ist die "Neue Welt" diesmal recht spärlich
gefüllt; exakt zur Hälfte, um genau zu sein. Und es
gibt auch keinen Zweifel, wem die Lücke zu verdanken ist.
Das "Duo Acustico" nämlich hat Freunde, Verwandte
und Fans aktiviert. Selbige von "Markus Rill & The Gunslingers"
fehlen fast völlig. Das mag daran liegen, daß die Formation
nicht gerade verwurzelt ist in der Ingolstädter Musiklandschaft,
sondern nur via Gitarrist Dennis Schütze Eingang gefunden
hat in diese Konzertreihe.
Verständlich ist es allerdings kaum. Die Band um den Würzburger
Sänger und Gitarristen Markus Rill bestätigt die Ernsthaftigkeit
von dessen einjährigem Studium der Roots in Austin und erntete
mit ihrem Debütalbum "Gunslinger's Tales" beinahe
überschäumende Kritiken in so renommierten Zeitschriften
wie dem "Rolling Stone" oder dem "Fachblatt Musikmagazin."
Daß in Ingolstadt der einfache, aber herzzereißende
Rootsrock anscheinend trotz ungebrochener Beliebtheit in einschlägigen
Musikzeitschriften kein Interesse findet, fand somit ein weiteres
Mal seine Bestätigung. Doch bleiben wir bei den positiven
Aspekten des Abends. Dazu gehört sicher auch das "Duo
Acustico". Sommerlich und swingend intonierten Herb Stelzer
und John H. Grund "Canciones Latinas", wie es im Programmheft
heißt, und bewegten sich dabei sicher und souverän
durch Lateinamerika und die iberische Halbinsel. [...]
Dennoch ließ der weitere Verlauf des Konzertes keinen Zweifel
daran aufkommen, daß mit Markus Rill und seinen "Gunslingers"
ein weit schwergewichtigerer musikalischer Brocken auf der Bühne
steht. Vom sympathischen, aber noch unfertigen Geruch einer regionalen
Größe hat sich das Quartett längst verabschiedet.
Stoisch, aber niemals stupide neigen sich die Gitarren der sengenden
Sonne zu und zelebrieren einen trockenen, knarzenden Folk-Country-Rock,
der aber gar nicht einmal so tief unter der Oberfläche noch
so manche frische Träne birgt. Wer kann schon noch sagen,
ob kaum zu bändigendes Lachen oder tiefe Traurigkeit die
Ursache waren?
Was bleibt, sind die Songs von Markus Rill und deren kongeniale
Umsetzung von den "Gunslingers" Dennis Schütze
(Gitarre), Andreas Reif (Baß, Fiddle), Robert Schreml (Drums)
und kurzzeitig auch noch Schützes üblicher "partner
in crime" Hans Stückle, der aber nach "Mundharmonika-Schaden"
aufgeben mußte. Hier wird eine Brillanz erreicht, wie man
sie niemals in der drückenden Enge Frankens vermuten würde.
Geschmückt mit ideenreichen Nuancen, fügen sich die
Stücke fugenlos in die Tradition großer Haudegen von
Townes Van Zandt und Tom Petty ein und offenbaren sowohl in ruhigen
als auch in sperrigen Momenten eine überbrodelnde Schaffenskraft.
Markus Schwarz
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