1997

Main-Post Würzburg (Dez. 20, '97, review)

"Gunslinger" Markus Rill im Omnibus
Der Hesse in Amerika

Würzburg - Weder pomadig, noch poppig, sondern peppig. Markus Rill nimmt die 60 Besucher im Würzburger Musikkeller "Omnibus" auf einen kleinen Rundgang durch die Gassen des Blues und Country

Auf die Straße, die uns gleich wieder nach Hause bringen soll? "Ich sollte 'Country Roads' schon mal auf besonderen Wunsch spielen, habe mich aber geweigert", sagt der 27 Jahre alte Würzburger und zeigt dem Publikum ein paar Schrammen an der Gitarre. "Weil ich's eben nicht spielte."

Rill, während eines eineinhalbjährigen Anglistikstudiums im texanischen Austin zum Kenner der Szene geworden, verweilt wie ein Fremdenführer vor den Monumenten seiner Vorbilder, erweist ihnen die Ehre, indem er ein Stück von ihnen spielt, läßt sie wieder links liegen und setzt, basierend auf den Stücken seiner CD "Gunslinger's Tales", seinen eigenen Weg fort.

Denn die breitspurige Ankündigung der Konzertplakate, der zufolge es keinen texanischer klingenden und seienden Menschen als Rill geben dürfte, erweisen sich als treffend genau. Die rauchige Whiskey-Stimme, seine ungekünstelte, unaufdringliche und subtile Coolness - stand seine Wiege wirklich in Höchst?

Der hessische Akzent verrät ihn bei den deutschen Ansagen. Texanisch singt er, als hätte er sein ganzes Leben mitten unter den Revolverhelden verbracht, wie er auch seine musikalischen Begleiter Dennis Schütze an der Gitarre und Andreas Reif an Bass und Geige nennt.

Rill schlüpft in die Rolle des Schurken, der immer einen Colt samt Bibel bei sich trägt und trotz einiger Missetaten doch noch in den Himmel will. Mit Dreitagebart und einem blauen Auge vom Wettkampf-Ringen auch optisch überzeugend. Er singt von seinem Bruder, der Priester war. Soll's glauben, wer will.

Die Stripperin

Neben der Musik scheinen die Leidenschaften seines Lebens die Frauen zu sein. Da traf er eine Stripperin in einer Bar in New Orleans. Nach der Tasse Kaffee beobachten sie die erwachende Stadt. Aber was für ihn noch viel schöner war: Er sah den Sonnenaufgang in ihren Augen. Liebeslyrik vom Feinsten.

Daß er in den Staaten auch als Herzensbrecher unterwegs war, verhehlt er nicht. "Wie gesagt, es geht wieder um eine Frau aus Texas. Als ich sie verlassen habe, hat ihre Mutter einfach gesagt: 'Nimm's nicht so schwer, stell Dir vor, er zieht in den Krieg. '"

Thomas Winzenhöhler