Songwriter Nights
Einmal im Monat empfängt Markus Rill im Würzburger Club L andere Musiker
Es gibt weiß Gott schlimmere Namen. Ernst Mosch zum Beispiel. Oder Hartmut Engler. Trotzdem hat der Würzburger Musiker Markus Rill vor vielen Jahren darüber nachgedacht, sich einen Künstlernamen zu verpassen. Und sich, wie seine Marschmusik- und Deutschepopschnulzen-Kollegen übrigens auch, dagegen entschieden. „Ein klangvolles Pseudonym kann Türen öffnen“, sagt er – und meint im besten Fall jene zu Ruhm und Reichtum. „Aber ich will mit meinem Namen für die Sachen geradestehen, die ich mache.“
Genau dieser unverkünstelte Name ist es nun, der anderen Musikern in Würzburg Türen öffnet, konkret: die des Club L. Dort, in der Aumühlstraße 9, hat Markus Rill im Oktober die Songwriter Nights gestartet. Einmal im Monat, normalerweise am letzten Donnerstag, lädt er Gäste ein, ihre Musik zu präsentieren – allein und in einem gemeinsamen Set mit ihm. Manche davon ködert er von sich aus, andere fragen bei ihm nach einem Auftritt an. Darunter sind international bekannte Künstler wie der kalifornische Straßenmusiker Chris Paulson, der die Reihe eröffnet hat, oder der am 22. Januar auftretende Brite Michael Weston King, seit mehr als 15 Jahren Profi im Musikbusiness. Solche wie sie ließen Würzburg auf ihren Touren durch die Republik bisher weitgehend links liegen, nun machen sie für einen Abend Station in der Stadt. „Davon profitieren letztlich alle“, sagt Markus Rill. Die Fans, denen seine Alternative-Country-Musik gefällt, die aber gerne auch mal jemanden anderen hören. Seine Gäste, die sich neue Fans erobern. Und natürlich er selbst: „Ich lerne viel dabei, mit anderen zu spielen und zu improvisieren.“ Der Club L biete für die Reihe das optimale Ambiente: „Er ist mit 30 Leuten schön gefüllt und die Atmosphäre dort ist angenehm entspannt.“
Im Focus der Abende steht, wie der Name verrät, das Songwriting. Ein Handwerk für sich – und eine anspruchsvolle Kunst. Generalisieren, was einen guten Songwriter ausmacht, will Rill nicht. Zu einem persönlichen Statement jedoch lässt er sich hinreißen: „Er sollte ehrlich mit sich und dem Song und den Zuhörern sein. Er sollte viele Stilmittel, Tricks und Kniffe kennen. Aber er sollte auch den Mumm haben, sie alle über Bord zu werfen und dem Song zu vertrauen.“ Dem Song vertrauen? „Ja, denn jeder hat sein Eigenleben“, erklärt Rill. „Es gibt Songs, die sich sträuben und mit denen man drei Wochen schwanger geht. Und es gibt Songs, die von sich aus kommen. Wichtig ist: Man darf sie nicht zu Ende denken, bevor sie nicht fertiggeschrieben sind.“
"Ein guter Schreiber vertraut dem Song."
Bei Markus Rill läuft das meist so: Er fährt Auto oder liegt im Bett, befindet sich im geistigen Dämmerzustand des Einschlafens oder Aufwachens. Plötzlich ploppt eine Idee wie ein Pop-up in seinem Kopf auf – für ein Thema, eine Formulierung, eine Melodie. Er schreibt sie nieder oder singt sie sich auf die Mailbox seines Handys. Dann trägt er diese eine Idee mit sich herum, mal Stunden, mal Tage, mal Wochen. Und irgendwann kommt der zweite entscheidende Moment, und mit ihm die zweite Idee für ein Stück – die Musik zum Text, der Text zum Thema. Dann ist es Zeit fürs Songschreiben. Und für das Rillsche Einmaleins:
1. Mache Emotionen spürbar und behaupte sie nicht bloß! Beispiel: Sage nicht „I`m lonely“, sondern besser „The night was long, you were far away“.
2. Vermittle Informationen lieber en passant als mit dem Holzhammer! Beispiel: Sage nicht „She had a baby as a teenager“, sondern besser „She dropped out of school to take care of the kid“.
3. Es muss immer einen Grund für die nächste Zeile und die nächste Strophe geben.
Im Idealfall ergibt das Einmaleins plus Feinschliff am Ende einen Songtext, „der berührt, weil er etwas ausdrückt, was andere nachvollziehen können und der einfach, ehrlich und echt, aber nicht eindeutig die Vielschichtigkeit des Lebens widerspiegelt“.
Markus Rills neues Album „Bag Of Tricks“, das im Oktober erschienen ist, hält etliche solcher Songs bereit. Allerdings ist nur einer, Kill Will, von ihm selbst. Die restlichen hat er von Johnny Cash, Bob Dylan, Chuck Berry und anderen interpretiert. Es ist Rills erstes Coveralbum, „ein Unfall, der sich einfach so ergeben hat. Weil ich eben nicht nur Musiker, sondern auch Musikverrückter bin, der tolle Lieder von anderen mal auf seine Art spielen wollte“.
Gut möglich, dass sich Markus Rill auch damit einen Namen macht. Und wieder ganz ohne Künstlername.
Die nächste Songwriter Night mit den Würzburgern Hannes Conrads und Frank Halbig ist am 27. Dezember. Infos zu weiteren Terminen und Gästen und Auszüge aus dem neuen Album gibt‘s im Internet unter www.markusrill.net oder www.myspace.com/markusrill.
Natalie Greß
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