2008

WAZ, 20. April 2008
Konzertbesprechung

Wenn Country auf Cyberspace trifft
Markus Rill im Bonni in Gelsenkirchen

Der Name Markus Rill ist in den USA schon längst bekannt. In Deutschland hat man noch wenig von ihm gehört. Doch das könnte sich schnell ändern: Im "Bonni" zeigte der Sänger, wie viel Wortwitz in ihm steckt.

Ein Deutscher, der in Texas Musik studierte und dessen Songs eine Mischung aus Folk, Blues, Country und Rock sind, die vor allem von ihren Inhalten leben - so könnte man den Sänger Markus Rill beschreiben, der am Freitag im Bonni auftrat.

Während Markus Rill in Amerika schon lange kein No Name mehr ist, hält sich die Schaar seiner Fans in Deutschland in Grenzen. Bereits sechs Studioplatten und zwei Specials hat der Musiker aufgenommen. Die letzten drei davon in den Staaten. Und aus denen spielte er im Bonni Kostproben. Mal melancholisch, mal ironisch stellte Markus Rill vor allem sein musikalisches Spektrum vor. Besonderen Reiz haben die Texte Rills, die allerdings voraussetzen, dass die Zuhörer der Englischen Sprache mächtig sind.

In Songs wie „What Might've been” stellt er mit rauchiger Stimme besinnlich die Frage, was hätte anders laufen können im Leben. Im Lied auf eine Partnerschaft bezogen, geht der Musiker damit auf Themen ein, die wohl jeden im Alltag bewegen. Oder er erzählt Geschichten über die Grenzbeziehungen zwischen Texas, dem Land in dem Rill lange lebte, und Mexiko.

Hier und da bedient sich Rill einiger Kunstgriffe, erzählt nur Szenen in dem Lied „Broken In The Street” und überlässt es dem Zuhörer, den eigentlichen Sinn des Textes zu ergründen. Besonders unterhaltsam wird es, wenn der Sänger sein komödiantisches Talent offenbart. Dann erzählt er Geschichten aus den Anfängen seiner musikalischen Laufbahn. Etwa, dass er angesprochen wurde von einem Produzenten in den USA, der einen von Rills Songs für seinen Film nutzen wolle. Es ginge da um Selbstfindung, informierte der Produzent. Rill willigte ein um später festzustellen, es ging tatsächlich um Selbstfindung. Allerdings um die von Zombies.

Zum lachen brachte Markus Rill die Zuhörer auch mit seinem bissigen Country-Titel „Cyberspace Lovesong”. „Ein Country-Song für das 21. Jahrhundert”, so Rill. Da diese bisher nur von Frauen, Einsamkeit und Pferden handelten. Er schildert musikalisch die Risiken einer solchen Online-Liebe. So könne die Frau ja sagen, sie sei 29 und könnte 50 sein - oder gleich ein Mann.

Auch wenn das Publikum am Freitag im Bonni limitiert war, so wird man von Markus Rill sicher noch hören. Wer das beschleunigen will, kann auf die aktuelle CD „The Things That Countzurückgreifen, die im Handel erhältlich ist.