Wenn Country auf Cyberspace
trifft
Markus Rill im Bonni in Gelsenkirchen
Der Name Markus Rill ist in den USA schon längst
bekannt. In Deutschland hat man noch wenig von ihm gehört.
Doch das könnte sich schnell ändern: Im "Bonni"
zeigte der Sänger, wie viel Wortwitz in ihm steckt.
Ein Deutscher, der in Texas Musik studierte
und dessen Songs eine Mischung aus Folk, Blues, Country
und Rock sind, die vor allem von ihren Inhalten leben -
so könnte man den Sänger Markus Rill beschreiben,
der am Freitag im Bonni auftrat.
Während Markus Rill in Amerika schon
lange kein No Name mehr ist, hält sich die Schaar seiner
Fans in Deutschland in Grenzen. Bereits sechs Studioplatten
und zwei Specials hat der Musiker aufgenommen. Die letzten
drei davon in den Staaten. Und aus denen spielte er im Bonni
Kostproben. Mal melancholisch, mal ironisch stellte Markus
Rill vor allem sein musikalisches Spektrum vor. Besonderen
Reiz haben die Texte Rills, die allerdings voraussetzen,
dass die Zuhörer der Englischen Sprache mächtig
sind.
In Songs wie „What Might've been”
stellt er mit rauchiger Stimme besinnlich die Frage, was
hätte anders laufen können im Leben. Im Lied auf
eine Partnerschaft bezogen, geht der Musiker damit auf Themen
ein, die wohl jeden im Alltag bewegen. Oder er erzählt
Geschichten über die Grenzbeziehungen zwischen Texas,
dem Land in dem Rill lange lebte, und Mexiko.
Hier und da bedient sich Rill einiger Kunstgriffe,
erzählt nur Szenen in dem Lied „Broken In The
Street” und überlässt es dem Zuhörer,
den eigentlichen Sinn des Textes zu ergründen. Besonders
unterhaltsam wird es, wenn der Sänger sein komödiantisches
Talent offenbart. Dann erzählt er Geschichten aus den
Anfängen seiner musikalischen Laufbahn. Etwa, dass
er angesprochen wurde von einem Produzenten in den USA,
der einen von Rills Songs für seinen Film nutzen wolle.
Es ginge da um Selbstfindung, informierte der Produzent.
Rill willigte ein um später festzustellen, es ging
tatsächlich um Selbstfindung. Allerdings um die von
Zombies.
Zum lachen brachte Markus Rill die Zuhörer
auch mit seinem bissigen Country-Titel „Cyberspace
Lovesong”. „Ein Country-Song für das 21.
Jahrhundert”, so Rill. Da diese bisher nur von Frauen,
Einsamkeit und Pferden handelten. Er schildert musikalisch
die Risiken einer solchen Online-Liebe. So könne die
Frau ja sagen, sie sei 29 und könnte 50 sein - oder
gleich ein Mann.
Auch wenn das Publikum am Freitag im
Bonni limitiert war, so wird man von Markus Rill sicher
noch hören. Wer das beschleunigen will, kann auf die
aktuelle CD „The Things That Count” zurückgreifen,
die im Handel erhältlich ist.
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