Eingängige Lieder mit leisen Tönen
Markus Rill zeigt im Beavers in Miltenberg, welch guter Songschreiber er ist
MILTENBERG. Ein hervorragendes Konzert, mit viel amerikanischem Flair gewürzt, haben die rund 50 Besucher in der Miltenberger Musikkneipe Beavers am Sonntagabend erlebt: Der Gitarrist und Songwriter Markus Rill hinterließ mit seinem Begleiter Andi Obieglo einen bleibenden Eindruck. Nicht umsonst vom belgischen »Rootstime«-Online-Magazin als »Europe's premier Americana artist« geadelt, präsentierte Rill sich auch optisch mit kariertem Hemd und Jeans wie ein typisch amerikanischer Arbeiter. Der Musiker konnte sich an diesem Abend über zahlreiche Fans und Bekannte aus seiner alten Heimat Goldbach freuen.
Rills musikalische Klasse wurde schnell deutlich: Eingängige und abwechslungsreiche Songs mit viel Tiefgang machten klar, dass das Schreiben von Liedern Rills Stärke ist. Seine Lieder kleidete Rill in ein typisch amerikanisches Soundgewand aus Rock'n'Roll, Blues, Folk und Country. Die Texte drehten sich um das menschliche Miteinander, um das tägliche Leben - und immer wieder blitzte trotz mancher Melancholie etwas Humor durch. Seine angeraute, bei manchen Passagen aber auch sanfte Stimme, wirkte authentisch - so wie man das bei einem Mann erwarten kann, der viel Zeit in Amerika verbrachte.
So erwies sich beispielsweise die noch unveröffentlichte Elvis-Hommage »The Kid From Tupelo« als Songperle, mit »That's all Right« gab es sogar eine Elvis-Presley-Coverversion zu hören. Andi Obieglo am E-Piano hielt sich dezent im Hintergrund; nur bei einigen Abschnitten schoben sich die Pianoklänge in den Vordergrund. Dabei waren es die sanften, unaufdringlichen Klangfarben, die den Kompositionen zusätzlichen Glanz verliehen. Interessante Akzente setzte Rill häufig mit der Mundharmonika. Bei »Where Do We Go From Here«, das Rill einst in der Studioversion mit einer Sängerin aus Texas eingespielt hatte, übernahm Obieglo die zweite Singstimme.
Rill setzte bei seinem Auftritt auf Kommunikation mit dem Publikum, erzählte Anekdoten und Entstehungsgeschichten zu seinen Songs, während er sie anspielte und animierte das Publikum immer wieder zum Mitklatschen. Die Gäste dankten es ihrerseits stets mit reichlich Applaus.
Als Höhepunkt entpuppte sich im weiteren Verlauf des Abends »Givin' Up On Dreamin'«. Diesen Song hat Rill kürzlich zusammen mit Musikern aus Nashville komponiert.
Die nach Ende des regulären Sets lautstark geforderte Zugabe ließ nicht lange auf sich warten. Die beiden Musiker kamen zurück auf die Bühne, um die Zuhörer mit einem leisen Lied als Geschenk zu belohnen. Doch es war noch nicht Schluss. Für eine zweite Zugabe kam Rill, dieses Mal ganz alleine, zurück. »Andi kann nicht mehr«, grinste er, setzte sich an den Bühnenrand und hinterließ in einer fast schon andächtigen Atmosphäre mit der Ballade »Can't Get Over You« ein glückliches und zufriedenes Publikum.
|