Poetischer Cowboy aus Franken:
Markus Rill - Star der Rock'n'Folk-Musik
Von Barbara Mack, dpa
Würzburg (dpa/lby) - Das Outfit von Markus Rill könnte nicht besser zu
seiner Stimme passen: rot kariertes Hemd, die Ärmel hoch gekrempelt,
dunkle Jeans, Lederstiefel für alle Lebenslagen. Er wirkt wie ein Cowboy
am Mikrofon, mit einer rauen, tiefgehenden, scheinbar unbändigen Stimme.
Ein Cowboy aus dem fränkischen Würzburg, der von Musikinstanzen wie den
Magazinen «Rolling Stone» und «Rootstime» als «Europas führender
Americana-Künstler» bezeichnet wird.
Es passiert trotzdem oft, dass der 37-Jährige mit der John-Travolta-Frisur
sein Genre erklären muss. Eine Mischung aus Rock, Folk, Country und Blues
mache er. Er vergleicht seine Musik mit seinem Hobby, dem Ringen. Sie sei
«handgemacht, ehrlich und ohne große Effekte». Der «Baby Baby-Kram» liege
ihm nicht», erklärt der studierte Anglist und Politikwissenschaftler. Dies
bestätigt auch Peter Näder, der als einziger hauptamtlicher
Popularmusikbeauftragter in Bayern Nachwuchstalente fördert und
unterstützt. «Seine Texte und seine Musik wenden sich ab von der
Mainstream-Schiene. Das ist keine Gebrauchsmusik, bei der man nebenbei
bügelt», unterstreicht Näder.
Obwohl Rills Musik nach Whiskey, Zigaretten und Wild-West-Melancholie
klingt, sind Cowboy-Allüren nicht sein Ding. Der hauptberufliche
Journalist raucht nicht und trinkt nicht. Seine poetische Rock-Folk-Musik
ist außerhalb Nordamerikas selbst nach sechs veröffentlichten Platten
halbwegs exotisch. Doch in den USA selbst zollen ihm die Großen der Szene
Respekt. Sein Album «The Price of Sin» wurde 2006 unter dem namhaften
Produzenten George Bradfute in Nashville eingespielt. Es erlangte
internationale Anerkennung bei Magazinen, Festivals, in Clubs und auf
kleinen Tourneen, etwa durch England.
Auch im Mekka der Songschreiber, im «Bluebird Café» in Nashville, stand er
schon auf der Bühne. In mehreren Programmkino-Filmen steuerte er Songs zum
Soundtrack bei, etwa das Stück «Haunted House» im aktuellen US-Streifen
«Lost on the B-Side» von Regisseur Lyle Holmes.
Als der gebürtige Frankfurter mit 18 Jahren vergleichsweise spät die
Gitarre zur Hand nahm, war das Songschreiben schon ein Teil von ihm.
Mehrere Semester im texanischen Austin prägten in nachhaltig, später auch
die Begegnung mit dem poetischen Songwunder Townes Van Zandt. Beeinflusst
und beeindruckt von Bob Dylan, seinem unbestrittenen «King» Elvis Presley
aber auch von Schriftstellern wie Ernest Hemingway begann er, sehr
persönliche Songs zu kreieren. Der «Rolling Stone» lobt seine Texte, «die
schön mehrdeutig schimmern» und vergab an seine Platten schon bis zu vier
der berühmten fünf Bewertungs-Sterne.
Auf seiner siebten Platte «The Things That Count», die im Januar 2008
veröffentlicht werden soll, habe er zwischen Amerika und Deutschland seine
ganz persönliche Brücke geschlagen, sagt der Musiker. Teils
atmosphärische, teils raue Musik, in der die akustische Gitarre, E-Gitarre
und oftmals die Mundharmonika dominieren, kombiniert er auf dem Album mit
sehr persönlichen Texten über das Reifen durch Einsamkeit, Reue,
Veränderung. Einer der für ihn gelungensten Songs auf dem Album ist «Sarah
Stein». Mit berührenden Worten singt er darin mit seiner tiefen Stimme
über eine junge, jüdische Tänzerin, die nach Amerika emigriert.
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