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2007
Main-Echo, Feuilleton, 27.12.2006
Wege durch die Nacht
Deutsche Folk-Rocker im Dreikönigskeller:
Markus Rill und Robert Oberbeck
FRANKFURT. Der Weg ist derselbe, die Gangart unterscheidet sich: Robert Oberbecks Gitarrenspiel ist schneidig, schreitet weit aus - das von Markus Rill ist ein bedächtiger Marsch. So unterschiedlich also kann der Schritt hinein in den Blues, in den Folk-Rock, in die Country-Musik sein - und egal, wie: An diesem Abend im Frankfurter Dreikönigskeller zeigen Robert Oberbeck und Markus Rill, dass es für Blues, Folk, Country sicher unterschiedliche Darstellungen gibt, aber nur eine Seele.
Denn Oberbeck kommt für diesen Abend aus Marburg und Rill aus Würzburg in die kleine Sachsenhausener Hochburg der so genannten Americana-Musik, wie die Sammelbezeichnung für diese Genres ist. Dass Deutsche die ureigenste Volksmusik des schwarzen und weißen Amerikas vorzüglich beherrschen, dokumentiert sich mit diesem Konzert - und so wird dieser Abend im Frankfurter Dreikönigskeller ein Stück weit zu einem Gang durch die Kultur der Liedermacher von Austin in Texas und Nashville in Tennessee: abseits aller Klischees von Country und mittendrin im Herzen der USA.
"So 'ne Art Jahresausklang mit einigen alten Freunden", wird Markus Rill, der Goldbacher, anderntags über den Auftritt sagen: Oberbeck eröffnet, dann kommt Rill mit seinem langjährigen musikalischen Begleiter Andi Obieglo am Piano und Akkordeon, später gesellt sich noch Oberbeck mit Gitarre und Percussion dazu, dann ist Rill wieder solo auf der Bühne usw. Es ist ein ständiger Wechsel zwischen reiner Gitarren-Musik, die eher von den Texten denn vom Gesang getragen wird, und Band-Passagen, in denen vor allem die Charaktere der Instrumente ihr Eigenleben entfalten: So wandelt sich beispielsweise das auf Rills Album »The price of sin« enthaltene »Carry my load« von einer gospelartig anmutenden Mitklatschnummer live zu einem schwer stampfenden Blues, in dem sich all die Seelenpein und das Liebesleid dieser Erde bündelt.
Es sind dies die anrührendsten Momente dieser Konzertnacht, denn sie verbinden auf sichtbare Weise all jene unterschiedlichen Menschen, die den Weg in den Dreikönigskeller gefunden haben: Die Verwandten und Bekannten von Rill und Oberbeck, Musiker und Schlipsträger in schwarzen Anzügen, Nachtschwärmer und Folk-Fans. Wenn Oberbeck über das Elend dieser Welt schluchzt und Rill von verlorenen Seelen auf staubigen Straßen raunt, rückt das Publikum zusammen: Kein bei Rock-Konzerten üblicher Geräuschpegel mischt sich in die Musik, die Geschichten, die da vorne auf der winzig kleinen Bühne erzählten werden, wollen gehört sein. Manchmal muss man eben tief steigen - und sei es nur die Treppe hinunter in den Dreikönigskeller - um das Schöne und Reine zu finden: Wer die Americana jenes Abends gehört hat, weiß, warum diese Musik als die seelenvollste unter den zeitgenössischen gilt.
Stefan Reis |