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2006
Boulevard Würzburg
Der Cowboy
ist einsam
Songwriter Markus Rill: Fürsorglich, verlassen, ruhelos
Er ist cool. Mit aufgeknöpftem Karohemd und einer Frisur à la John
Travolta sitzt er an einem Holztisch, der unter Krimskrams, Stiften und
Papieren fast verschwindet. "Sorry, hier ist es nicht aufgeräumt, ich war
drei Wochen in Amerika", sagt Markus Rill. Musik - das wohl Wichtigste im Leben des 36-Jährigen.
Sein kleines
Ein-Zimmer-Appartement - "Für die Musik mache ich eben Abstriche" -
gleicht einem Plattenladen. Die Regale scheinen unter der Last der
CD-Berge zusammen zu brechen. Bob-Dylan-Scheiben stehen neben eigenen
Produktionen.
Markus Rill - eigentlich Journalist - macht selbst Musik. Erfolgreich. Er
spielt Gitarre, singt und gibt Konzerte, auch in Amerika. "Wir machen eine
Mischung aus Rock, Country, Folk, Blues, also traditionelle, echte und
ehrliche Musik", sagt er. Wir, das ist er mit seiner Band "Markus Rill &
the Gunslingers".
Echt und ehrlich, so will der gebürtige Frankfurter, der schon seit Jahren
in Würzburg lebt und hier studiert hat, rüberkommen. Deswegen hat er auch
seinen Namen nicht geändert, auch wenn dieser für eine Band nicht gerade
cool ist. Obwohl Markus Rill sich betont lässig gibt, ist er alles andere
als das. Das zeigt seine Musik, denn da geht es um Gefühle. "Ich schreibe
eher Einsamkeitslieder. Das Leben ist eben so", sagt er.
Viel hat er durchgemacht: Seine Eltern trennten sich, er pflegte seine krebskranke Mutter bis zu ihrem Tod. Ereignisse, die eben auch in seinen
Liedern Spuren hinterlassen haben. Auch in den Songs auf seiner neuen CD,
die am 21. April rausgekommen ist. "Ich hatte vor, eine Amerikanerin zu
heiraten und auszuwandern", sagt er und sein Blick wandert ruhelos durch den Raum.
Doch die verließ ihn, ein Traum war geplatzt, denn er wäre gerne nach
Amerika gegangen. "Dort habe ich meine Kontakte, die Musiker in diesem
Genre arbeiten dort sicherlich auf einem höherem Niveau als die Mehrzahl
der deutschen Musiker." Dort würden die Menschen die Texte ganz
unmittelbar verstehen. "Deshalb wäre es natürlich besonders, dort
sozusagen als Fremder akzeptiert zu werden", sagt er und denkt nicht
daran, seinen Traum aufzugeben.
Gerade war er wieder einmal in Austin in Texas. Dort, wo er ein Jahr seines Englisch-Studiums verbracht hatte. Und erzählt von einem Songschreiberwettbewerb, bei dem Tom Waits in der Jury saß und bei dem er unter die letzten zwölf Teilnehmer gekommen ist. Von über 15 000.
Unbeeindruckt erzählt er das. Und schiebt dann noch nach, dass drei seiner Songs in amerikanischen Kino-Filmen zu hören sind. Ganz cool, so wie er eben ist, wenn er nicht Musik macht.
Von Ute Fiedler
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