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2006
Chill Music, April 2006
Songs auf höchstem Niveau - überragender Sound
Genau zwei Jahre nach seinem international anerkannten Meisterstück Hobo Dream bereichert Markus Rill die große Singer/Songwriter-Gemeinde wieder mit einem neuen Studioalbum. The Price Of Sin ist nicht nur ein würdiger Nachfolger geworden, sondern zeigt den deutschen Musiker aus Würzburg noch fester mit der amerikanischen Szene verbandelt und - was die Qualität der Songs betrifft - auf seinem bislang höchsten und beständigsten Niveau.
Vom Start weg - und da steht fest und unerschütterlich das seiner verstorbenen Mutter gewidmete 'Singin' In The Cemetery' - ist klar, dass wir es bei The Price Of Sin mit einem atemberaubenden Sound in einer ganz sorgfältigen Produktion zu tun haben. So wehmütig wie hier die Pedal Steel Guitar eröffnet, die Band überlegt eingreift und Markus Rill mit sympathischer Schmirgelstimme, souveränem Picking auf der Akustischen und Harmonica in den Vordergrund tritt, so überragend hat bislang noch keine seiner CDs geklungen. Und da kommen mittlerweile ja einige zusammen, ist der Backkatalog über die Jahre stetig zu einem beachtlichen Gesamtwerk angewachsen!
Am Anfang, 1997, stand das bereits sehr vielversprechende Debüt Gunslinger's Tales, 1999 und 2001 folgten die beiden semi-akustisch/elektrischen und stark texanisch ausgerichteten Alben The Devil And The Open Road bzw. Nowhere Begins, auf denen Rill mit seiner deutschen Band The Gunslingers zu einer festen Einheit verschmolz. Dann erfüllte sich der in unzähligen Liveauftritten vor Ort in Austin - quasi an der Quelle - geschulte Performer seinen größten Traum: Songs in den Staaten zusammen mit bekannten Topmusikern aufzunehmen. Das Ergebnis Hobo Dream (Blue Rose, 2004) mit solch tollen Begleitern wie Duane Jarvis, Steve Conn, George Bradfute, Billy Block, Karen Poston u.v.a. kam einem Quantensprung gleich und katapultierte Rill auf Augenhöhe mit US-Vorbildern wie Ray Wylie Hubbard, Robert Earl Keen, Tom Russell, Dave Alvin oder James McMurtry.
Zum Konzept von The Price Of Sin gehören die weitgehend akustische Ausrichtung, höchste Präferenz für ausgefeilte, klug ausgearbeitete Arrangements und eine breitere Themenpalette über den typischen Markus Rill-Roadsong weit hinaus. Diese hohen Ansprüche erfüllt das Album auf bemerkenswert unangestrengte, lockere und unendlich unterhaltsame Art - 12 hervorragend zusammengestellte Stücke, deren überzeugende Qualität auf drei Pfeilern steht: die Reife und das große Selbstbewusstsein des Hauptakteurs, die Verknüpfung von Musikalität und Produzenten-Know How in der Person von George Bradfute, dazu Auffassungsgabe und Einfühlungsvermögen der kongenialen Begleitband. Bradfute, der bereits für die Big Names Jason Ringenberg, Paul Burch, Webb Wilder und Amy Rigby gearbeitet hat, schafft für jeden einzelnen Song die stimmige Atmosphäre, füllt mit eigenen Instrumentalbeiträgen (Dobro, Cello, akustische & elektrische Gitarren) letzte Lücken im Klangbild oder veredelt einen fast perfekt sitzenden Track mit dem gewissen Etwas. Die Basic Sessions (inklusive der meisten Vocals!) wurden in Nashville im Oktober 2005 live aufgenommen: mit den bekannten Dave Jacques (Upright Bass) und Bryan Owings (Drums, Percussion) sowie dem schier unglaublichen Multiinstrumentalisten Fats Kaplin an Banjo, Mandoline, Fiddle, Akkordion sowie mit Pedal, Lap Steel und Bottleneck Gitarren. Die Credits dieser Musiker sind endlos, stellvertretend seien hier Alben von Buddy Miller, Greg Trooper, Adrienne Young, Patty Griffin, Kelly Willis, Tom Russell und Kevin Gordon genannt.
Aber zurück zur Hauptsache, dem Songmaterial. So hören wir mit 'My Love Runs To You' und 'Just So You Know' zwar gleich zwei hoffnungsfrohe Liebesbekundungen an die Adresse der Verehrten, allerdings gibt's in 'Wash Away The Stain' und 'Fade To Blue' die Vermeldung des Verlusts derselben nur wenig später. Der kapitale Titelsong wird durch das ewig junge Wechselspiel von Moral und Verfehlung geprägt, im flotten, von schönen Bluegrass-Mustern durchzogenen 'Me & Bonnie Parker' versetzt sich der Erzähler in die Rolle des ersten Partners von Bonnie vor Clyde. Das geheimnisvolle 'Broken Puppet' schwingt sich zur ultimativen Rill-Referenzballade auf, die temperamentvolle, rhythmisch enorm bewegliche Slide/Gospel/Mountain Blues-Nummer 'Carry My Load' überzeugt mit ihrer eindringlichen Suche nach innerem Frieden und steht völlig zu Recht im Zentrum dieses exzellenten Albums. Das sehr persönliche, Ängste über die Erkrankung des Vaters ausdrückende 'Not Ready Yet' beschließt dann zum Ende den mit 'Singin' In The Cemetery' begonnenen Songzirkel und bringt den Roots-Bezug formal und inhaltlich in Einklang. Ein großes Singer/Songwriter-Album. Respekt!
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