2006

Main-Post, Ausgabe Main-Spessart, 6. März 2006

Americana im Amviehtheater
Markus Rill und Andreas Obieglo begeistern in Arnstein-Halsheim

Halsheim(TH) „Americana“ - eine aktuelle Musikrichtung zwischen Country, Rock, Blues und Folk stellte der Würzburger Sänger und Songschreiber Markus Rill im Halsheimer „Amviehtheater gemeinsam mit dem Pianisten Andreas Obieglo“ vor.

Das „Amviehtheater“ war etwa zu drei Vierteln besetzt. Schneeglätte auf der Straße und „Wetten dass“ im Fernsehen hatten wohl einige Country-Fans vom Besuch abgehalten. Dafür wurden die Anwesenden bestens belohnt. Der „Sänger mit der Sandpapierstimme“ bot ein breit gefächertes Repertoire dessen, was man heute „Americana“ nennt.

Stimmungsvolle Liebeslieder mit schönen Gitarrensoli, treibende Beats und starke Rhythmen oder besinnliche Balladen, Rill und Obieglo wussten die Themen stets überzeugend umzusetzen. Klasse, die „tollen ollen Kamellen“ hinreißende Reminiszenzen an den „King of Rockn Roll“ Elvis Presley oder an den Altvater Johnny Cash.
Markus Rill gilt als ein führender Vertreter amerikanischer Rootsmusik in Europa. Der musikalische Autodidakt hat mittlerweile seine fünfte CD herausgebracht und sich bei Konzerten in ganz Europa sogar in Nashville/Tennessee einen Namen gemacht. In Nashville entstand auch sein jüngstes Album „The Price Of Sin“, aus dem er in Halsheim einige Stücke vorstellte. Songs mit besonderen Texten, die Geschichten erzählen, haben Rill schon immer interessiert und so kam er schon in jungen Jahren mit den Balladen von Bob Dylan, Johnny Cash oder eben dem „King“ in Berührung. Während seines Studiums in Texas entwickelte sich diese Vorliebe zu einer echten Leidenschaft.
Der Sänger will amerikanische Musik aber nicht etwa kopieren oder nur nachahmen, sondern auch einen Beitrag zu Weiterentwicklung liefern. So erweiterte er etwa das gängige inhaltliche Repertoire von Frauen, Pferden, Whiskey oder Trucks um das aktuelle Thema Computer mit seinem "Cyberspace Love Song" in dem er singt, "I'm in love with a woman I've never seen“.

Rill setzt seine meist selbst geschriebenen Stücke musikalisch perfekt und mit reifem gesanglichem Vortrag um. Er besitzt eine markante und variationsreiche Stimme, die unter die Haut geht. Ein absoluter Glücksfall ist aber auch sein Begleiter Andreas Obieglo. Als Pianist der Sonderklasse bietet er stets mehr als reine Begleitung oder Untermalung; er entwickelt eher zeitweise ein musikalische Eigenleben, das dennoch wieder in das Gesamtstück zurückführt und dieses abrundet.

Nette Anekdoten oder kleine Hintergrundgeschichten zu den Songs sorgten für guten Kontakt zum Publikum. Klarere Titelansagen hätten dem mäßig amerikanisch sprechenden Zuhörer oft noch weitergeholfen. Dennoch waren Applaus, begeisterte Pfiffe und wiederholte Zugabeforderungen des Publikums nach rund zwei Stunden zu gut verständlich.